Saison

Todgesagte leben länger

Sechs sieglose Spiele in Folge – es sah zuletzt  nicht gut aus für Hetha BSC. Viele bescheinigten den Berlinern eine tiefe Krise, die schwer wegzureden war. Das Spielverhalten des Teams war im großen Rahmen unmotiviert, unkreativ und risikoscheu. In Zweikämpfen wurde behäbig agiert, von Spielfreude war wenig zu sehen und das gesamte Spiel wird aus der Defensive heraus organisiert. Dies spiegelte zuletzt auch das Verhalten des Mannschaftskapitäns Vedad Ibisevic wieder, der sich eher in Auseinandersetzungen mit dem Schiedsrichter verwickelte, als mit dem Gegner, und stets am Rande des Platzverweises balancierte. Dementsprechend ist es kaum überraschend, dass die Wettanbieter der Hertha derzeit wenig gute Quoten einräumen.

Doch das 1:1 gegen Freiburg könnte eine Wende bedeuten. Natürlich ist ein Remis noch kein Grund zu feiern, doch lässt es hoffen, dass die Krise überwunden ist. Vor allem die letzte Viertelstunde wirkte Hertha als hätte jemand das Licht angeknipst. Auf einmal war von Erschöpfung aus einer englischen Woche nichts mehr zu merken und die Berliner attackierten, spielten aggressiv und wollten sehr offensichtlich einen Sieg mit nach Hause nehmen.

Die Hertha kann es also noch! Das Potential ist durchaus vorhanden. Die Frage ist, wie Trainer Pál Dárdai dieses Potential abrufen und aktivieren kann. So hat Stürmer Salomon Kalou, ein sicherer Elfmeterschütze, im Spiel gegen Freiburg die erste Chance auf den Ausgleich glatt verschossen. Doch schon drei Minuten später bewies er seine Nervenstärke, ging erneut an den Punkt und traf. Und dann gibt es noch die neuen, jungen Gesichter beim BSC. Dazu gehört zum Beispiel Arne Maier. Der 18-jährige zeigte nach seiner Einwechslung gegen Freiburg, wie sehr er das Team mitreißen kann. Auch Davie Selke hat seinen Wert für die Mannschaft unter Beweise bestellt. Nachdem der 22-jährige sein Knochenmarködem ausgeheilt hat, konnte er nicht nur durch ein Tor glänzen sondern holte zuletzt gegen Freiburg auch einen Strafstoß raus.

Als nächstes treffen die Berliner auf Köln und Hamburg – zwei Gegner, die sie auf jeden Fall schlagen können. Zumindest, wenn sie diesmal von Anfang an die Motivation angeschaltet haben und ihr Potential nutzen – sowohl bei den bekannten als auch bei den neuen Spielern. Ein Sieg wäre mehr als wünschenswert!